Angeln in den Philippinen ein Reise und Angelbericht aus dem Traumland

Ich hatte das große Glück mehr als vier Monate auf den Philippinen verbringen zu dürfen und dort an verschiedenen Orten und Inseln angeln zu dürfen. Dabei war vom kleinen Teich über einen See der doppelt so groß wie der Bodensee ist bis hin zum tropischen Meer alles dabei. Die Gastfreundschaft vor Ort hat mich umgehauen und auch die vielen hilfsbereiten Angler, die dem „Joe“ (jeder Weiße heißt hier Joe, keine Abwertung) gerne geholfen haben. Die Philippinen sind ein Land in dem der Angeltourismus noch nicht ausgebaut und ist, auch wenn sie den weltweit artenreichsten Meeresabschnitt zu bieten haben und Anglerisch hoch interessant sind. Ein Bericht eines Geheimtipps für den nicht ganz so bequemen Angler.

Angellizenzen oder Angelerlaubniss auf den Philippinen

Die Frage, welche sich jeder deutsche oder europäische Angler zuest stellt möchte ich auch als erstes Beantworten. Es gibt keine Fischerprüfung Angellizenzen oder dergleichen und es kann (fast) überall einfach drauf losgeangelt werden. Wir sprechen von einem Land in dem selbst für Kleinfischerei mit dem Netz keine Lizenz benötigt wird. Die Ausnahme der Regel sind natürlich Private Teiche und Gewässer und es gibt auch einige Gewässer mit Schutzstatus (z.B. teile der Bucht von El-Nido). Einfach die Einheimischen Fragen und man bekommt auch sofort tolle Stellen oder Hot spots genannt.

Teichanlagen wie hier gibt es viele die meisten dienen aber der Fischproduktion

Angelteiche

Auf den Philippinen gibt es wie schon Erwähnt auch einige Angelseen, in denen dann auch eine Lizenz nötig ist oder pro kg Fisch abgerechnet wird. Allgemein sind die Preise sehr günstig und kein Vergleich zu hiesigen Verhältnissen. Vor allem sind hier Seen mit Schlangenkopffischen (Snakehead) beliebt.

Palawan – El Nido

Palawan ist eine Trauminsel bedeckt von tropischem Wald mit Bergen und einer Traumhaften exotischen Landschaft. Ein Trip hier her lohnt sich. Zunächst stand ich vor der Entscheidung eine Woche Urlaub entweder auf Palawan oder aber auf Bohol zu verbringen. Die Entscheidung nach Palawan zu fliegen war richtig. Überall treffen Felsen auf traumhafte Strände und es riecht nach Fisch!

Morgens in der Bucht von El-Nido starten die Ausflugsboote zum Insel Hopping

El- Nido ist eine kleine Touristenstadt in der man so viele Westler wie nirgendwo sonst auf den Philippinen findet. Die Anreise geht entweder von Manila zu dem kleinen Flughafen vor Ort und von dort aus dann weiter mit dem Tricycle in die Stadt oder aber mit größeren Flugzeugen nach Puerto Princessa und von dort mit dem Transporter 6 Stunden über Land nach El-Nido. Ich habe zweitere Möglichkeit gewählt, würde aber bei einem kurzen Trip das nächste mal lieber gleich mit dem Flieger nach El-Nido.

Die Stadt ist komplett auf Touristen ausgelegt auch kulinarisch. Hier gab es zum ersten Mal seit langem wieder eine italienische Pizza aus dem Steinofen oder andere bekannte Sachen. Klar gibt es auch Restaurants mit einheimischen Gerichten. Preislich kostet eine Pizza dann aber auch so viel wie hier 10-11€ muss man rechnen für das gleiche Geld gibt es aber auch frisch gegrilltes Seafood und andere Leckereien.

Ein kleiner Lapu Lapu konnte meinem Wobbler nicht widerstehen

El- Nido ist einer der wenigen Orte auf den Philippinen, an denen das Angeln eingeschränkt ist und man sich bei dem örtlichen Touristenbüro informieren muss. Auf einigen der vorgelagerten Inseln ist das Angeln erlaubt und am rechten Rand der Bucht auch. Auf einer der Inseln habe ich es mit der Spinnrute und kleinen Wobblern von 3-11 cm probiert und vor allem kleine Grouper (Lapu lapu) gefangen und eine Barrakuda. Gesehen habe ich aber auch stattliche Hornhechte, welche aber den Köder nur kritisch beäugt haben. Um auf die kleinen Inseln zu kommen haben wir uns ein doppelsitzer Kajak am Strand gemietet und sind mit Wasserdichten Rucksäcken, welche man auch vor Ort bekommt losgepaddelt. Nach 30 Minuten Paddeln waren wir auch schon am ersten einsamen Strand den wir uns mit nur 1-2 anderen Leuten geteilt haben. Also Spinnrute raus und an den Rand des Strandes bei den Felsen gestellt und losgefischt. Beim dritten Wurf mit einem Yo-Zuri Wobbler hing schon ein kleiner Grouper der wieder schwimmen durfte. Silbrig blaue Wobbler sind wie fast überall am Meer der Bringer und schnell fing ich ein paar mehr der kleinen Gesellen.

Nach einem weiteren Besuch an besagtem Strand ging es weiter raus zu einer anderen noch kleineren Insel. Hier passierte aber leider nicht viel außer das ich die besagten Hornhechte Beobachten konnte.

Wer Hier aber nur Angelt, der verpasst so einiges. Deshalb war auch die Schnorchelausrüstung immer dabei und so konnte man die wunderschönen Korallenriffe im Glasklaren Wasser von nahem sehen. Tauchkurse werden übrigens auch vor Ort angeboten. Ebenso wie Iland hopping: mit 10-20 Leuten geht es dann von Strand zu strand und ein leckeres Mittagessen ist auch dabei. Auf den Touren wird man schon etwas abgefertigt und die Aufenthalte auf den Inseln sind relativ kurz. Auch sind dann immer 2-5 weitere Gruppen dort. Um die Natur nicht zu sehr zu stören sind dann die Gebiete auch noch abgesperrt. Trotzdem sollte man wenigstens eine Tour mal mitgemacht haben und immer die Schnorchelausrüstung dabeihaben. Zusätzlich sind auch Strandschuhe eine gute Idee bei den scharfkanten Korallen und Steinen.

Biss auf Ansage

Die Beastmaster Shore Boat musste sich vor dem großen Fisch ordentlich verbeugen

Am letzten Abend konnte ich noch einmal alleine Los zu Angeln. Die Woche hab ich die Bucht recht genau beobachtet und gerade im Bereich, wo es erlaubt ist zu Angeln an einer Stelle immer starken Wellengang entdeckt und vielen Felsen im Wasser. Hier gab es also Verstecke für Räuber und das Tiefe Wasser musste recht nah an den Felsen sein. Also bin habe ich mich zur besten Zeit vor dem Sonnenuntergang und beginnender Flut 45 lang zu der Stelle Marschiert. Es roch hier nach förmlich nach Fisch: an eine kleine flache Bucht grenzte der Abschnitt mit schroffen Felsen im Wasser und die Flut kam herein. Schnell habe ich ein paar Würfe gemacht und beim fünften oder sechsten Wurf hing auch schon etwas gutes. Meine Vermutung ist entweder ein Hai oder ein GT. Ganz sicher kann ich es aber nicht sagen, da ich den Fisch nicht landen konnte. Zunächst dachte ich an einen Hänger beziehungsweise gehakten Tang, aber nachdem ich meine Bremse etwas geöffnet hatte war schnell klar: hier Hängt was gutes. Der Fisch ließ sich dank der starken Shimano Shore boat gut stoppen und wieder heranpumpen. Ich habe mich schon gefragt „wars das wirklich?“ aber nachdem der Fisch wieder rund 10 meter an mir dran war kam die zweite Flucht. Diesmal unaufhaltsam und dann ist es passiert und der Fisch hat an den Scharfkantigen Felsen die Schnur gekappt. Zitternd montierte ich einen anderen Wobbler aber natürlich war nichts anderes großes in der nähe. Fast schon in der Dunkelheit konnte ich noch einen kleinen Barrakuda haken und landen, der schnell wieder schwimmen durfte. Die Aktion war auf jeden Fall eines meiner anglerischen Highlights auf den Philipinen. Vom Ufer einen großen tropischen Räuber zu Haken und dabei in der Brandung zu stehen ist schon etwas ganz besonders und ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte.

Großer Messerfisch mit leuchtenden Augen
Riesiger Messerfisch
Ein Traumhafter Sonnenuntergang auf Laguna de Bay

Laguna de Bay

Laguna de Bay ist ein riesiger See, der zwar im Schnitt nur 3-4 Meter tief ist aber eine riesige Fläche von rund 911 km² hat doppelt so viel wie der Bodensee. Der See ist sehr produktiv, da er fast hypertroph (sehr nährstoffreich) ist und doch dank ständigem Wind vom Meer her genug Sauerstoff ins Wasser kommt. Die Schadstoffbelastung hält sich doch stark und grenzen und der Fisch ist durchaus problemlos genießbar.

Hier habe ich einen Großteil meiner Zeit verbracht und auch deshalb die meisten verschiedenen Spezies fangen können. Darunter waren vor allem Tilapien, Einheimische Welse bis 55 cm und unzählige Messerfische fangen können, der größte davon übertraf sogar den aktuellen Weltrekord. Es schwimmen auch noch weitere noch größere Messerfische in dem See. Ein Exemplar von 14 kg, welches in eine Fischfalle gegangen ist, ist verbrieft. Zum angeln extra zu diesem See gehen würde ich aber keinem empfehlen der See ist größtenteils stark überfischt und großteils für europäische Augen auch keine Augenweide.

Guimaras bietet viele traumhafte Buchten und Korallenriffe

Panay und Guimaras

Hier wird keineswegs nur zum Spaß geangelt. Die Fische werden auf dem Markt verkauft

Zwei wunderschöne Inseln, welche sich relativ mittig in der Inselkette befinden: Panay ist kein vergleich zu Palawan und nicht ganz so schön. Dafür ist die kleine Nachbarinsel Guimeras ein Traum mit vielen Korallenriffen und Felsen. Das Angeln ist auf Panay ganz ok, auf Guimeras aber deutlich besser. Eines meiner Highlights war trotzdem auf Panay, als ich raubende Wahoos von einem Pier beobachten konnte. Die Geschwindigkeit mit der ziemlich große Fische vor den riesigen Räubern flüchteten war der Wahnsinn und das sind Bilder, welche ich nie vergessen werde. Gefilmt habe ich hier trotzdem nicht nur ein paar Fotos gemacht. Auf das besagte Pier wurde ich von einem befreundeten Angler mitgenommen und wir fingen etwas Kleinzeug und ich durfte einen kleineren GT fangen. Auf dem Pier waren auch immer einige Einheimische Angler, die mit Rute und Rolle oder einfach nur mit 1 mm Schnüren einem 25 cm Köderfisch an einer 30 cm Styroporkugel anboten.

 

Dort wurde ich auch auf ein kleines einbaumartiges Boot mitgenommen und wir haben zu dritt den Abend durchgefischt. Leider fing ich aber nichts. Die Angler auf besagtem Pier sind dort aber keineswegs spaßeshalber, sondern verdienen sich dort ihren Lebensunterhalt mit Angeln.

In den flachen Korallenriffen Guimeras hat es auch giftige Seeschlangen. Trotzdem kommt es dort eigentlich nie zu Unfällen, da die Tiere keineswegs aggressiv sind solange sie nicht in eine Ecke gedrängt werden.

Angelläden auf den Philippinen

Überholte und Reparierte Rutensammlung eines angelverrückten Philippinos

Sich vor Ort mit equipment einzudecken ist schwierig. Zwar gibt es einige wenige Angelläden, doch die meist recht klein und überschaubar. Preislich sind sie keineswegs billiger als hier eher etwas teurer. Da sich die meisten Angler teures neues Tackle sowieso nicht leisten können sind sie unglaubliche Bastler von denen man viel Lernen kann. Ich habe mir auch eine Rute reparieren sowie einen Kescher bauen lassen. Fast alle einheimischen kaufen sich auf den Märkten in Japan weggeworfene Ruten und Rollen an speziellen „Schrottständen“ und reparieren diese. Leider hatte ich keine Zeit mir mehr beibringen zu lassen, denn was die Philippinos wieder zusammenflicken ist schon der Wahnsinn. Ich habe mir auch einen custom Raubfischkescherkopf basteln lassen. Materialkosten rund 5 € mit Stahlrahmen und stabilem Netz.

Was es aber auf fast jedem Markt gibt sind Bleie, Schnüre und Haken zu sehr günstigen Preisen zu kaufen.

 

Sicherheit auf den Philippinen

Hier spreche ich nicht über die Südlichen Inseln der Philippinen, wo die Abu Sayaf aktiv sind und die Gefahr für Leib und Leben tatsächlich gegeben ist. Der Rest der Philippinen ist für ein so armes Land sehr sicher und kein Vergleich mit Mittel- und Süd- Amerika. Ich habe mich fast immer und überall sehr sicher gefühlt aber trotzdem einige Regeln befolgt z.B. niemals in der Öffentlichkeit mit dem Smartphone oder anderen Technischen Geräten rumspielen und bin auch mit billigen Klamotten herumgelaufen. Gewaltverbrechen sind sehr selten, viel häufiger sind einfache Betrügereien. Das ist aber auch unter den Einheimischen so.

Wer mehr über die Aktuelle Lage wissen will, sollte sich natürlich mal beim Auswärtigen Amt informieren.

Kulinarisches auf den Philippinen

Da die Philippinen ein Asiatisches Land sind wird auch hier viel mit „Magic Sarap“ (magischer Geschmack) gekocht das ist das bei uns so verrufenen Natriumglutamat. Wer das nicht verträgt kann kaum Essen gehen. Ansonsten gibt es überall leckereien und das Hygiene Bewusstsein ist recht hoch. Da ich keine Wahl hatte musste ich vom ersten Tag an in einem kleinen Dorf von den Straßenküchen essen und hatte nie Probleme. Natürlich habe ich auch nur gut durchgekochtes gegessen.

Das Mittagsbuffet auf einer Bootstour von El-Nido aus

Ansonsten bieten die vielen kleinen Restraunts außerhalb von Touristischen Regionen tolles Essen für wenig Geld. Eine Portion Reis kostet meist um die 30 cent und muss fast überall seperat bestellt werden. Ein Hauptgericht mit den teuren Riesengarnelen gibt es in nicht touristischen Regionen für 3€ in touristischeren dann eher für 4-5€. In hochtouristischen Orten wie Boracay oder El-Nido muss man eher mit 10-13€ pro Hauptgericht rechnen! In der Straßenküche wird man für umgerechnet 1€ satt!

Eine Warnung noch an alle Veganer oder Vegetarier von denen ja glaube ich eher wenige hier sind (Das ist eine Angelseite :)). Wenn man wenigstens Fisch isst und es ansonsten nicht ganz so genau nimmt mit dem Vegetarismus nimmt, hat man kaum Probleme auf den Philippinen. Als Veganer hat man aber kaum eine Chance essen zu gehen. Natürlich kann man sich auf den Märkten Obst und Gemüse kaufen. Das Obst ist aber je nach Jahreszeit aber nicht ganz so günstig und eine Mango kostet immer noch die hälfte von hiesigen Preisen, wenn denn nicht gerade Saison ist. Annanas gab es aber z.B für 15 cent frisch geschält. Auch Bananen und Papays sind fast immer sehr günstig zu haben.

Auch eine Warnung an Kaffeeliebhaber zu denen ich mich zähle: Kaffee kommt aus dem Land in dem der teureste Kaffee weltweit anagebaut wird aber auch billiger Kaffee angebaut wird nur aus der Tüte und es steht Nescafe drauf. Man muss schon etwas suchen um guten richtigen Kaffee zu bekommen.

Wer mehr wissen will kann gerne einen Kommentar schreiben 🙂

Andere interessante Beiträge

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.