Angelpraxis

Einfach mal treiben lassen: Mit der Pose am Fluss unterwegs

Heute mal mein erster fast klassischer Blogeintrag bei dem ich euch auch eine Angeltechnik, welche nicht so häufig benutzt wird dafür aber aktiv ist und auch noch verdammt erfolgreich. Ich freue mich über Feedback, schreibt mir doch einfach ein Kommentar, wenn es euch gefällt! 🙂

Schneidern am Forellenbach

Am Forellenbach war leider nichts zu holen.

Heute Mittag hat es mich mal wieder in den Fingern gejuckt, die Sonne hat gestrahlt und der blaue himmel hat mich mit doch recht schon milden 8 °C  nach draußen gelockt. Zunächst ging es an einen kleinen Forellenbach an dem ich mit Kunstködern mein Glück versucht habe, doch hier war absolut tote Hose und außer nasse Füße in meinen etwas lecken Wathosen war nichts zu holen.

Plan B am Fluss mit Naturköder

Gut das ich vorbereitet war für Plan B und gestern Nacht ein paar Tauwürmer gesammelt habe, die ich vor angelbeginn aus dem Kühlschrank ins Auto gepackt habe. Denn ich hab einen Abschnitt am kleinen Fluss gesehen, der perfekt für eine spannende Angelei ist, die ich schon etwas länger nicht mehr praktiziert habe. Nämlich einfach mit feiner Pose oder Bleischrot und freier Leine einen quirligen Tauwurm den Fluss heruntertreiben lassen. Das ist eine sehr natürliche Köderpräsentation, der auch schlaue Döbel und andere Flussfische oft erlegen sind. Außerdem ist es eine sehr aktive Fischerei, ähnlich des Spinnfischens und ich hatte die Wathose sowieso an, denn in flachen Flussabschnitten kann ich mich so positionieren wie ich ich möchte. So kann ich immer in der Strömung fischen, wo ich will und habe keine riesigen Schnurbäuche im Wasser.

Am Fluss stellte ich schnell fest, dass das Wasser etwas trüb war: perfekt Bedingungen, denn dann nehmen die Fische meine Pose und das Blei nicht so gut wahr. Auch die etwas erhöhten Temperaturen die letzten Tage sollten meinen Erfolg eher gutes tun.

Die Montage

Mit kleiner Korkpose ging es dann an den Fluss. Auch im Bild die gemeine Uferböschung, in die meine Montage getrieben ist.

Gesagt getan zunächst versuchte ich es mit komplett freier Leine nur mit einem kleinen 2 g Bleischrot und einem Wirbel vor meinem ~1m langen Fluorocarbon Vorfach. Als Köder habe ich stets einen ganzen Tauwurm genommen, den ich aber nur zwei mal aufgespießt habe, damit der Großteil des Wurms frei in der Strömung flattert. Probleme mit Kleinfisch, der meinen Wurm belästigt ist in dem Fluss nicht zu erwarten, ansonsten würde ich ihn wohl etwas fester an den Haken machen. Nach ein paar Würfen hatte ich schnell einen Hänger, denn ich fischte vom Ufer und somit drückte die Strömung meine Montage beim einholen Richtung Ufergebüsch und mein erstes Vorfach war weg. Also habe ich einfach mal auf eine kleine Feststellpose mit ~3-4g Tragkraft umgerüstet und weiter ging es. Diesmal aber mit Wathose aus dem Fluss heraus.

Die Spots

In dem rund 50 Meter breitem Fluss gibt es schon einige interesannte Stellen hinter Kiesbänken und bei kleinen Inseln, welche ich ausgiebig befischt habe. In der harten Strömung bei 20-50 cm tiefem Wasser waren eher weniger Fische zu vermuten. Deshalb beschränkte ich mich eben auf die üblichen Stellen, wie Kehrströmungen, Strömungsberuhigte Bereiche. Alles eher Minispots mit wenigen Quadratmeter Fläche, wo ich Fisch vermutet habe.

Die Angeltechnik: Treibangeln

So ließ ich meinen Wurm immer wieder an diesen Spots an der Strömungskante Vorbeitreiben oder aber habe direkt in die beruhigten Bereiche geworfen. Manchmal zupf ich auch etwas an der Montage um sie in Bewegung zu versetzen oder

Links im Fluss gab es starke Strömung rechts ruhigere Bereiche mit interesannten Spots. (Ups hier habe ich beim Screenshot meines Videos noch den Player sichtbar)

gebe meine Schnur in die Strömung, welche dann für Bewegung sorgt.  Leider war aber hier nirgendwo etwas zu holen und ich beschloss den Fluss, der nach dieser flachen Stelle wieder aufgestaut wird herunterzulaufen, um nach anderen Spots zu suchen. Leider wird der Fluss dann für mich als Watangler weniger befischbar, da tieferes Wasser und die Uferböschung macht es schwer ans Wasser zu kommen. Hier und da ließ ich dennoch etwas halbherzig meine Posenmontage ins Wasser aber auch hier wieder ohne Erfolg. Eine spannende Stelle war leider komplett von Schwänen und Enten in Anspruch genommen, so das Fischen unmöglich war. Gottseidank sind die Schwäne hier sehr friedlich und als ich in der nähe dann doch einen Wurf wagte kamen alle an, so das ich schnell einkurbelte, bevor sich einer für meinen Schwimmer oder gar Hakenköder interessieren konnte und zog weiter. Leider kamen aber keine wirklich guten und befischbaren Stellen mehr für meine Angeltmethode.

Noch ein Spot wechsel

Vor mir der zweite Spot die Bachmündung in den Fluss.

Da erinnerte ich mich noch an eine Angelstelle an der ich schon an zwei Tagen Aktivitäten von einer großen Forelle oder Döbel gesehen hatte, welche auf meine Wobbler und Spinner einfach nicht beißen wollte. Die Stelle war nur 5 Minuten mit dem Auto entfernt, zwischendurch ging es noch vorbei am Dönerladen meines Vertrauens einen kleinen Snack holen und so befand ich mich auch schon an der Verheißungsvollen Angelstelle: einem Einlauf eines kleinen Baches mit aufgeschütteten kleinen Felsen darin. Also stieg ich voller Hoffnung und halb kriechend und geduckt auf die Felsen, damit die Fische mich nicht sehen. Und ab ging es für meinen Wurm in die Strömung des kleinen Baches und hinein in den Fluss.

Nach dem Plop geht die Pose unter

Doch nichts tat sich: ich probierte es immer wieder und wieder und ließ meine Montage mal links, mal recht und mal in der Mitte treiben und auch von der Strömung bis in den Fluss hinein tragen, doch an meinem Schwimmer tat sich nichts. Etwas frustriert probierte ich es nah an der Stelle noch einmal aber wieder nichts. Bereit zu gehen schmiss ich meine übriggebliebenen Würmer ins Wasser, da die

Die feine Rute hat sich im Drill gar nicht mal so gebogen.
Erst im Kescher platschte der Döbel noch einmal richtig los.

schon eine Weile Unterwegs waren und ich die nicht mehr in den Kühlschrank zu den restlichen tun wollte. Etwas frustriert setzte ich mich anschließend hin, um mir eine zu drehen. Doch was war das? Plötzlich war meine Pose nicht mehr zu sehen und dabei konnte sie noch nicht weit sein. Etwa ein Biss? Ich nahm den Schnurbogen schnell auf und schlug sanft an und schon spürte ich ordentlich Gewicht in der Rute und gelegentliche Kopfstöße. Mir schossen plötzlich ein paar Gedanken durch den Kopf, ob die 18`er Schnur wohl einen guten Fisch halten würde? Was wenn das ein Karpfen war. Doch nach etwas widerstand und einer kleinen Flucht ließ sich der Fisch problemlos rankurbeln. Zunächst war ich mir nicht  so ganz sicher, um was es sich dabei handelte: Eine Forelle ? Doch schnell war klar es ist ein Döbel, auch wenn mir noch einmal Karpfen in den Kopf kam, als ich gesehen habe wie dick der Fisch war und gerade Schuppenkarpfen im Fluss ja mal recht mager sein können. Doch was da in meinem Kescher lag hatte keine Barteln, dafür aber einen umso dickeren Bauch – ganz klar ein schlauer Döbel. Die Freude war riesig war ich doch schon fast zwei Angeltage Schneider. Nach einem kurzen Foto durfte der exakt 50 cm lange Fisch wieder schwimmen. Ich bin kein Fan von Döbeln im Topf.

Das war mein erster Döbel aus dem Fluss und ich grinste noch mindestens 10 Minuten wie ein Honigkuchenpferd.

Nach jedem Angeltrip völlig egal, ob erfolgreich oder nicht frage ich mich: was habe ich gelernt oder falsch gemacht? Wie kam mein Erfolg oder Misserfolg zustande? So versuche ich mich stets zu verbessern und aus Fehlern zu lernen.

Die Freude war groß über den schönen Flussdöbel.

Das habe ich gelernt

Ich glaube für den Fangerfolg waren die ins Wasser geworfenen Würmer absolut entscheidend. Das war nicht das erste mal, dass ich kurz vor Angelende noch meine Köder loswerden wollte und plötzlich Bisse bekam. Fische reagieren sehr stark auf ins Wasser fallendes Futter, da sie das Geräusch oft nur zu gut kennen. Es gibt zwei Möglichkeiten, wieso ich an der Stelle die ganze Zeit geangelt habe und doch nichts gefangen habe: entweder der Fisch war die ganze Zeit da und ist in einen Fressrausch gefallen, als die vielen Würmer kamen und wurde plötzlich auch meinem Hakenköder gegenüber unvorsichtig. Oder aber der Döbel wurde durch das bekannte Geräusch von weiter weg angelockt.

Habt ihr schon einmal so etwas ähnliches erlebt? Schreibt mir doch ein Kommentar.

Ein Paar Tipps für die Technik zusammengefasst

  • So leicht wie möglich, so schwer wie nötig: gilt für die Rute, Rolle, Schnur aber auch das Blei und die Pose. Wenn Barben zu erwarten sind kann ich nur schwierig mit 18`er mono fischen.
  • Die Technik darf ruhig aktiv ausgeführt werden: den Köder durch kurze Stops immer wieder Richtung Oberfläche bewegen bringt manchmal Bisse. Auch kann man den Köder durch Zupfer vom Grund wegbewegen, wenn er mal liegt.
  • Wenn die Pose untergeht ist das nicht immer ein Biss gerade in der starken Strömung kann es sein, dass sich unser Haken am Grund festsetzt. Die Pose wird dann von der Strömung heruntergedrückt
  • Vor dem Anhieb immer etwas Schnur einkurbeln und Fühlung aufnehmen
  • Angelt ihr ohne Pose haltet einfach die Schnur immer in den Fingern, um einen noch feineren Bissanzeiger zu haben. Spürt ihr einen Biss gebt dem Fisch 3-4 Sekunden. Kann er einen Tauwurm in der Zeit bewältigen wird er fast immer gehakt, alles andere sind dann meist kleine Fische, welche ihr vermutlich gar nicht wollt.
Ein kleiner „Silberbarren“ gefangen mit einer simplen Methode.

Ein paar Tage später – Ein unerwarteter Fang

Etwas später hat sich die Methode noch einmal bestätigt. Bei fast schon angenehmen Temperaturen ging es wieder an den Fluss und wieder an eine komplett neue Stelle. Diesmal ein sehr unerwarteter Fang:  nachdem ich einen Wirbel eines Fisches an der Oberfläche gesehen habe, stellte ich die Pose so flach wie möglich ein und warf den Fisch an.  Schnell ging die Pose unter und bei der Gegenwehr des Fisches war schnell klar – kein Döbel! Das Ergebnis war eine wunderschöne und sehr wohlgenährte Bachforelle in komplettem silber. Eher eine Seltenheit in diesem Fluss und daher freute ich mich riesig.

Das Gerät

Für diese Angelei eignet sich jede etwas weichere Rute mit für das Gewässer entsprechender Länge. Dabei ist es geschmackssache, wie lang die Rute sein sollte und auch wieder vom Gewässer abhängig. An manchen Stellen hätte ich mir heute eine längere Posenrute gewünscht, an anderen, wenn ich mit der Wathose mitten im Wasser stehe, wäre auch eine Eisangel mit 50 cm ausreichend gewesen. Ich finde zu lange Ruten etwas nervig beim Watangeln vor allem, wenn sie Kopflastig sind. Manchmal muss man leider auch die Schnur, welche sich mal wieder um die Spitze gewickelt hat entfernen. Da fand ich meine 2,4 m lange Balzer magna magic lure am oberen Ende des akzeptablen, aber noch lang genug, um im Fluss meinen Köder noch gut zu positionieren.

Als Rolle tut es eigentlich jede zu eurer Rolle passende. Ihr solltet sie höchstens etwas dannach auswählen, wie schnell das Gewässer fließt. Ich war über meine Shimano Sedona mit 6:0 Übersetzung äußerst froh, da ich so leichter mal auch den Fluss von unten nach oben befischen konnte oder etwas schneller Schnurbögen einholen konnte.

 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Chris

Seit über 20 Jahren völlig angelverrückt und absoluter Allrounder. Mehr Infos über mich und die Website sind in der Seitenleiste verlinkt.

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu

Close