Angelpraxis

Richtig Drillen und meine spannendsten Drills

Shimano Shore boat reiserute im Drill am Meer
Bei so vielen Felsen im Wasser ist Vorsicht beim Drill geboten.

Hat ein Fisch, womöglich sogar ein  Großer gebissen kann ein spannender Kampf losgehen, der Sekunden bis Stunden dauern kann. Der Drill ist wohl das Spannendste am Angeln, denn man weiß  bei größeren Fischen nie sicher, was passieren wird und ob man den Fisch auch landen können wird. Leider ist eines klar, nach dem Lesen dieses Artikels wirst du zumindest theoretisch wissen, wie du richtig drillst. Lernen  kann man Drillen aber nur in der Praxis und das am besten auch bei einem Fisch, den man nicht halten kann. Eines steht für mich fest: den Nervenkitzel eines kapitalen Fisches vergisst man so leicht nicht. Trotzdem halte ich meine Drills immer so kurz wie möglich und zwar ganz einfach aufgrund des Tierwohls und weil ein komplett  ausgedrillter Fisch oft schlechte Überlebenschancen hat. Schließlich muss man ja auch  manchmal Fische zurücksetzen.

Für alle, die schon wissen wie man drillt, hier geht es direkt zu >>
„meinen Drills“ weiter unten auf der Seite

So geht Drillen kurz und knapp

Drillen ist tatsächlich gar nicht so schwer  und ich habe ein einfaches aber fast sicheres Rezept in ein paar wenigen Schritten für euch:

  1. Die Angelrute egal was ist, immer auf Spannung halten, selbst wenn der Fisch springt versucht ihn leicht zu euch zu ziehen. Das ist auch der häufigste Fehler: die Rutenspitze muss immer krumm sein
  2. Könnt ihr den Fisch heranholen, dann tut es sofort, bei größeren Fischen muss gepumpt werden ansonsten einfach Rute hoch und kurbeln 
  3. In Einzelfällen ist der Fisch weit links oder Rechts von euch dann kann man die Rute auch parallel zum Wasser halten oder nur leicht heben nur muss die Rutenspitze auch hier immer krumm sein
  4. Wenn der Fisch in die Bremse geht und zieht – einfach aufhören zu kurbeln und warten bis der Fisch stoppt. Nun hat man eventuell Zeit auch die Bremse langsam aufzumachen
  5. Wenn der Fisch auf euch zu schwimmt: kurbeln was das zeug hält, um wieder Spannung zu bekommen. Dies kommt aber nur sehr selten vor
  6. Haltet den Fisch von Hindernissen oder scharfkantigen Steinen (vor allem am Meer) fern dazu muss vielleicht der Druck erhöht werden
  7. In der Endphase des Drills wenn der Fisch wenige Meter vor euch ist die Bremse leicht aufmachen nun federt eure Schnur weniger ab  und Fische neigen zu harten Fluchten, wenn er euch oder den Kescher wahrnimmt

Nach dem  Drillen folgt das Keschern, wie ihr das richtig macht, findet ihr in meinem Kescher Guide Artikel >>

Die richtige Bremseinstellung für den Drill

Die Bremse sollte  immer richtig eingestellt sein. Nachjustieren ist immer möglich.

Die Bremse sollte  immer auf die Schnur und das Gerät abgestimmt sein. Dabei überlege ich mir immer, wo die Schwachstelle liegt und beachte diese. Häufig angel ich persönlich immer etwas zu stark, als zu schwach und bekomme so keine Probleme mehr.  Dennoch  kommt es auf das Gerät und die Angeltechnik an, wie  stark die Bremse eingestellt wird.

Meist ist eine „Handfeste“ Bremseinstellung für den Start des Drills von größeren Fischen (Karpfen, Hecht Zander, etc.) nie verkehrt. Damit meine ich das man gerade so noch Schnur von der Rolle abziehen kann, natürlich ohne das die Schnur  zu sprengen. Außerdem kommt so der Anhieb auch besser durch und das ist gerade beim Gummifischangeln auf Zander wichtig. Hier knall ich die Bremse fast komplett dicht. Nach dem Anhieb mach ich sie aber oft schnell wieder etwas auf.

Beim Angeln auf kleinere Fische mit feinem Gerät habe ich die Bremse auch mal etwas weicher eingestellt hier lässt die Schnur oder der Knoten am Wirbel eben ein zuknallen der Bremse oft nicht zu.

Beim Spinnfischen habe ich folgende Regel:   zieht der Köder beim Führen  Schnur von der Rolle, ist die Bremse zu schwach eingestellt. Dann und wann ein einzelnes Klickern der Rätsche an der Rolle ist aber meist OK.

Wichtig ist in der Endphase des Drills die Bremse etwas zu öffnen, ansonsten  kann es bei  plötzlichen Fluchten Probleme geben.

Erschwert wird  der Kampf mit dem Fisch vor allem dann, wenn  es Hindernisse im Wasser gibt oder  scharfkantige Steine.

Die Rute sollte immer krumm sein.

Pumpen

Pumpen bezeichnet man das Heben und senken der Angelrute, um den Fisch  herzuziehen.  Das ist gerade bei großen Fischen  oft mal nötig. Dabei geht man mit der Rutenspitze von einer 90° Position runter auf eine 30-45°  Position und kurbelt dabei die frei werdende Schnur sofort ein. Anschließend wird die Rute wieder hochgenommen und das Ganze geht von vorne los.

Häufige Fehler beim Drillen das passiert

FehlerDas passiertSo vermeidest du es
Schnur ist lockerFisch kann den Haken abschütteln und ist wegRute immer hochhalten und Spannung zum Fisch halten
Zu viel Druck auf dem Fisch nahe der Oberfläche Forellen und Hechte neigen dann zum springen eine gefährliche Situation im DrillZu starken Druck auf den Fisch vermeiden, wenn er nahe der Oberfläche ist
Fisch wird mit zu wenig Druck gedrillt und der Drill ziehst sichDer Fisch wird ein zurücksetzen oft nicht überlebenBremseinstellung richtig wählen und nicht mit dem Fisch spielen
Vom Boot geht oft die größte Gefahr im Drill von eben jenem aus.

Vom Boot aus Drillen das ist wichtig

Beim Angeln vom Boot aus kann es immer mal passieren, das der Fisch unter das Boot geht. Hier kann die Schnur am Boot entlang scheuern und  gibt meist sofort auf. Deshalb kann man je nach Boot entweder die Rute  teilweise unter Wasser tauchen oder aber auf dem Boot die Seite wechseln. Boote mit wenig Tiefgang sind hier unproblematischer.

Angelt man vertikal oder ist der Fisch am Ende des Drills etwa nahezu vertikal unter dem Boot sollte die Rute natürlich auch parallel zum Wasser gehalten werden, damit sie optimal arbeiten kann.

Meine spannendsten Drills


Besonders spannend fand ich immer die Drills, als ich nicht wusste, was am anderen Ende ist oder als ich das erste Mal gezielt auf eine Fischart angelte und nicht wusste, wie sich der Fisch im Drill verhält. Angelt man im Ausland außerhalb von Deutschlands angrenzenden Ländern, kann immer mal eine dicke Überraschung am Band hängen. Natürlich kommt die auch hierzulande mal vor, aber ist natürlich deutlich seltener, wenn man seine Gewässer kennt.

Dieser Rochen war zwar riesig und es sind sehr ausdauernde Fische, dennoch sind sie eher langsam.

An der Adria

Gerade im Meer kommen diese Überraschungen aber häufiger mal vor und da hier oft „alles Schwimmt“  kann man auch mal eine riesige Überraschung am Haken haben. So war ich euch  vor einer Weile an der Adria  mit einem Freund und wir waren an einem kaum befischten Hotspot am Speedjiggen, als plötzlich ordentlich Gewicht in der Rute war.  Diesmal war es keiner der vielen Hänger, sondern es ließ sich kurz bewegen bevor  wieder nichts ging, was aber dann ging war meine Bremse und zwar  kontinuierlich. Der Fisch zog rund 50m von der Bremse bis er mal stoppte und sich heranpumpen ließ.  Der Fisch machte dann aber recht schnell eine zweite und eine dritte Flucht.

Der Drill zog sich so auf gute 45 Minuten. Generell bin ich mit diesen Angaben von Angelkollegen etwas vorsichtig, aber hier haben wir tatsächlich auf die Uhr geschaut als sich abzeichnete, dass es länger geht. Leider ist etwas wirklich Ärgerliches passiert und ein Angelboot ist trotz zurufen über unsere Schnur gefahren und der Fisch war schon nahe der Oberfläche. Die Schnur knallte sofort und ich war extrem verärgert. Trotzdem war es ein extrem spannender Kampf.

Spannend war das ganze vor allem, weil der Fisch bis dato mysteriös bleibt. Ich tippe auf  eine große Zahnbrasse, da sie für die Stelle sehr wahrscheinlich sind.  Das von rechts nach links  kreise drehen könnte aber auch auf etwas Thunartiges  deuten. Das Gerät war übrigens eine schwere Hechtspinnrute mit 120g Wurfgewicht die krumm  wie ein Flitzebogen war. Der Köder ein Sandaalförmiger 80 g Speedjig.

Auf den Kanaren

Der Rochen aus dem Bild oben war dagegen etwas weniger spannend. So fing ich ihn auf einer Nachtangel Tour vor den Kanaren auf Naturköder.  Nach dem Biss war recht schnell klar, um was es sich handelt. Rochen sind nicht besonders schnell aber unglaublich ausdauernd. Trotzdem dauerte der Drill nur knapp 25 Minuten, wobei der Fisch sich noch ein paar mal  um die Ankerkette wickelte und befreit werden musste. Das schwere Meeresgerät  war auch auf größere Haue ausgelegt und hatte mehr als genug Power für den ~45 kg Stachelrochen. Trotzdem ohne die Guides hätte ich das trotzdem niemals hinbekommen. Spannend war dann vor allem der Giftstachel, zu dem man am besten Abstand hält.

Am Traumstrand mit Wobbler – Biss auf Ansage

Wirklich spannend war auch der Drill mit folgendem Fisch, den ich leider  nicht landen konnte hier war es wohl ein GT oder Barrakuda. Der Fisch biss im sehr flachen Wasser abends bei Flut.

 

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Chris

Seit über 20 Jahren völlig angel verrückt und absoluter Allrounder. Mehr Informationen über mich und die Website findest du hier.

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