Angelpraxis

Speed und Shorejigging so gehts

Speed Jigs sind für tiefe felsige stellen optimal.

Zurzeit schwappt auch langsam die Speedjigging Welle zu uns nach Deutschland und die Angeltechnik wird immer bekannter. Zunächst kommt es jedem eingefleischten Süßwasserangler sehr befremdlich vor das man mit der wilden Kurbelei und schnellen Rutenrucken noch Fische fängt. Aber egal wie schnell man Kurbel, die Meeresräuber sind einfach noch schneller. Mit der Technik wird genau wie bei anderen Spinntechniken auch ein schnell flüchtender Beutefisch kopiert. Vor allem die Räuber in wärmeren Regionen kennen und mögen schnell flüchtende Beutefische, weshalb die Technik dort besonders erfolgreich ist.

Eine erfolgreiche Technik

Ursprünglich wurde die Technik von japanischen Berufsfischern eingesetzt und die mussten ja schließlich wissen, was gut fängt.

Fast alle Meeresräuber jagen kleine Schwarmfische und entfernt sich einer der Fische aus dem Schwarm, ist es oft genug das Todesurteil für ihn. Deshalb und auch, weil manchmal ein Schnappreflex ausgelöst wird, ist die Technik so erfolgreich. Die Räuber haben auch wenig Chancen sich den Speed Jig genauer anzuschauen und reagieren einfach auf die Bewegungen und Druckwellen des Jiggs.

Nicht nur die großen Meeresräuber gehen gut auf Speed jigs, selbst Wolfsbarsche und „kleinere Räuber“ lassen sich mit den Jigs gut fangen. Natürlich in kleineren Köder Größen von 10-30g

Für Bonitos kann der Köder gar nicht schnell genug geführt werden.

Die richtige Technik zum Speed Jiggen

Grundsätzlich gibt es drei Techniken zum Speed Jiggen

  1. Einmal ein schnelles Kurbeln gepaart mit regelmäßigen und Schnellen Rucken mit der Rute. Dabei kann man pro Ruck mit der Rute (Jig) bei der auf und Abwärtsbewegung jeweils eine halbe Kurbelumdrehung machen.
  2. Die nächste Technik sind lange und langsamere große Rutenbewegungen von unten nach oben, bei denen bei der Abwärtsbewegung der Rute die Schnur wieder aufgekurbelt wird. Im Prinzip ist das ganze fast genauso, als ob man einen Fisch beim Drill heranpumpt
  3. Die dritte Technik ist einfach ein schnelles Einkurbeln des Jigs ohne Rutenbewegung. Auch das klappt und ist manchmal genau das, was die Fische wollen.
GTs sind wahre Traumfische und kämpfen mit einer unglaublichen Kraft. Auch sie gehen auf Speed jigs.

Der große Vorteil bei der Technik ist, dass großflächig alle Wasserschichten abgefischt werden können und die Fische gesucht werden können. Dabei kann man zum Beispiel den Jig einfach komplett auf den Grund ablassen 2-3 Jigs machen, um den Köder anschließend wieder auf den Grund zu lassen. Das Ganze wird wiederholt und so  fischt man systematisch den Gewässergrund ab. Natürlich muss man auf hängerträchtige Stellen aufpassen.

Bei dem nächsten Wurf kann ich dann einfach 1-3 Jig Bewegungen mehr machen und Fische nach und nach alle Wasserschichten ab.

Bei Angelbeginn an einer Angelstelle Jig ich normalerweise gleich alle Wasserschichten ab um alle Wasserschichten einmal abgefischt zu haben.

Slow pitch

Slow pitch ist eine andere Angeltechnik, welche auch als Slow Jiggen bekannt ist. Dabei sind andere Jigs und Ruten erforderlich, welche speziell für diese Technik entwickelt wurden. Die Ruten für das Slow pitchen machen dabei die ganze Arbeit mit ihrer Aktion. Wie der Name schon sagt werden die Köder langsamer geführt und mit langsamen gefühlvollen Jig Bewegungen wird die Rute von unten nach oben bewegt. Die Ruten biegt sich dabei zunächst stark und wenn sie sich wieder gerade stellt, wird auch der Jig nach oben bewegt. Das erzeugt die typische Bewegung für diesen Köder und lässt die Räuber beißen. Die Technik ist auch deutlich weniger anstrengend, als das Speed jiggen.

Meist werden für diese Technik  Multirollen mit höherer Übersetzung verwendet.

Angelstellen zum Speedjiggen

Shorejiggen am Meer
Eine Top Angelstelle: genauso Steil, wie die Berge ins Wasser gehen geht es auch unter Wasser weiter.

Generell heißt es oft, dass man mit den Jigs vor allem an tieferen Stellen über 25-30 m vom Ufer aus erfolgreich ist. Dem kann ich so nicht zustimmen und auch im flacheren Wasser kann man horizontal sehr gut mit den Ködern fangen. Dafür nimmt man dann eher die leichteren Jigs bis 30 g.

Top stellen vom Ufer sind   felsige Abschnitte am Meer, an denen es schnell auf tiefe geht, dann kann man auch mit größeren Räubern rechnen.

Vom Boot geht man natürlich an die üblichen Hot spots, also Riffe oder Kanten.

Chris Tipp: Generell kann die Technik in eine Materialschlacht enden deshalb ist es oft sinnvoll sich zu merken, wie lange der Köder zum Grund braucht und dann bei den nächsten Würfen bzw. Sinkphasen den Köder einige Sekunden vor dem Grundkontakt zu Stoppen und mit den Jiggen zu beginnen.

Assist Hooks

Mein Lieblingsjig mit klassischen Assist hooks

Ein weiterer Punkt der viele Angler, so zumindest auch mich, am Anfang zweifeln lässt sind die beim Speed Jiggen typischerweise eingesetzten Haken. Sogenannte Assist Hooks das sind Einzelhaken an 2-3 cm langen, Räuberfesten Schnüren. An dieser Seite wird auch der Köder an das Vorfach montiert. Natürlich funktionieren auch Drillinge und Assist Hooks sind kein Muss. Allerdings ist der große Vorteil von Assist Hooks, dass diese die Hängergefahr stark verringern und ein Aushebeln der Fische nach dem Biss  verhindern. Die Bissausbeute ist kaum geringer, als bei normalen Drillingen. Überzeugt hat mich das ganze, als selbst ein kleiner Schriftbarsch sich einen für ihn viel zu großen 60 g Jig holen wollte und sauber am assist Hook gehakt wurde.

Die richtigen Jigs

Petermännchen auf Speedjig
Der kleine 10 g Jig von Maria konnte ein Petermännchen fangen. Vorsicht beim abmachen!

Bei den Jigs gibt es vielerlei Formen, was wieder eine Wissenschaft in sich ist, denn für die Köder ist es wichtig, wie das Gewicht verteilt ist. Außerdem gibt es mittlerweile viele Formen an Jigs. Diamond Jigs (siehe Bild oben), welche auf der einen Seite abgeflacht sind und auf der anderen eine diamantförmige Erhebung haben sind oft die besten und universell einsetzbar. Dabei flattern sie verführerisch, wenn  man druck von der Schnur nimmt oder der Köder frei fällt.

Am Mittelmeer sind Jigs von 30-80 g meist die richtige Wahl, wenn es auf größere Räuber geht. Auf kleinere Räuber sind dann 5-30 g ideal. Andere Formen sind Stabförmige Jigs (siehe unten) und Lunar Jigs. Zum Slow pitchen werden eher gedrungenere Jigs genommen.

Die besten Jigs kommen von den Marken Williamson und Maria (links zu Amazon). Leider sind diese nicht unbedingt billig. Ich habe auch einige Jigs der Marken „Take“ und „Fishing ferrari“ (beides Marken von Lineaffe) diese gibt es in Italien und einigen wenigen Angelläden in Deutschland. Mein Lieblingsjig ist trotzdem ein „Diamond“ Model von Maria. Für den Anfang würde ich empfehlen eher ein paar günstigere Modelle zu fischen, bis man den dreh raus hat relativ hängerfrei zu fischen.

Shorejiggen

Das Shorejiggen ist nichts anderes als Speed jiggen vom Ufer, dabei wird der Köder nicht Vertikal abgelassen, sondern geworfen und anschließend wieder eingeholt. Dabei kommen dieselben Techniken zum Einsatz. Ruten sollten dann natürlich länger sein und 3m  sind zu empfehlen.

Speed Jig
Stabförmige Jigs ähneln Sandaalen und anderen schlanken Beutefischen. Sie laufen zwar nicht so toll, fangen aber trotzdem

Ruten zum Shore Jiggen

Ruten für diese anspruchsvolle Technik müssen schon einiges abkönnen und haben eine schnelle spitzen Aktion. Dabei sollten sie möglichst leicht sein, damit man lange durchhalten kann.

Ruten, die sich z. B. beim Shorejiggen am Mittelmeer bewährt haben sind die Daiwa Megaforce Pilk und die Shimano Blue Romance (links zu Amazon). Beide sind tolle Ruten mit entsprechender Aktion. Eine Rute zum Shorejiggen sollte rund 2,6-3 m lang und eine auf die zu erwartenden Fischart abgestimmte Stärke haben. Mit den Ruten lassen sich Zahnbrassen (dentex dentex), Leerfish sowie kleine Thunartige drillen.

Für das Jiggen auf kleinere Räuber, wie Wolfsbarsch ist z. B. die Daiwa Megaforce travel   Rute top (link zum Test), auch wenn sie nicht so lang ist, ist die Aktion bestens, um im Urlaub mal Vollgas zu geben.

Rollen zum Speed Jiggen

Die Rollen sind starken Belastungen und Salzwasser ausgesetzt. Die meisten Speed Jigger fischen mit Rollen mit höherer Übersetzung von 6.0:1 und höher. Multirollen kommen dabei nicht infrage, da der Schnureinzug zu niedrig ist. Meine Empfehlung ist etwa die Penn Slammer 3 (link zum Test).

Für kleinere Fische tut es natürlich auch eine kleinere Rolle. Eine 2500`er bis 4000`er Rolle ist stark genug für kleinere Meeresräuber,

Schnur und Vorfach zum Speed Jiggen

Natürlich orientiert sich die Schnur und Vorfachstärke an den Zielfischen beziehungsweise, an dem womit zu rechnen ist. Angelt man nahe an Riffen oder an Felsküsten muss das Vorfach darauf ausgelegt und entsprechend stark sein. 0.4`er bis 0.5`er Flurorocarbon sind vom Ufer aus aber ausreichend. Soll es auf kleine Räuber gehen können natürlich 0.3`er und dünnere Vorfachdurchmesser verwendet werden. 

Als Hauptschnur kommt nur geflochtene Schnur infrage. Bei einer Monofilen Schnur würden die Schläge mit der Rute größtenteils einfach verpuffen, außerdem muss ein direkter Kontakt zwischen Angler und Köder gewährleistet sein. Daher braucht es eine möglichst dünne geflochtene PE Schnur. 8 fach geflochtene Schnüre sind dabei noch besser als die 4 fach geflochtene Variante.

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Chris

Seit über 20 Jahren völlig angel verrückt und absoluter Allrounder. Mehr Informationen über mich und die Website findest du hier.

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